Wenn Katzen sich nicht (mehr) leiden können

Published on: 2. August 2016

Filled Under: Psychologie

Views: 919

Selbst für den erfahrensten Katzenliebhaber ist es immer wieder eine Herausforderung eine neue Katze in die Familie aufzunehmen. Meist klappt eine liebevolle und geduldige Zusammenführung gut, aber manchmal kommt es vor, dass der neue Mitbewohner einfach nicht integriert oder eine der bereits vorhandenen Katzen plötzlich gemobbt wird. Es gibt Fälle, wo die Tiere dann über Jahre hinweg in verschiedenen Zimmern oder Bereichen des Hauses gehalten werden, damit die Zankhähne nicht aufeinander treffen. Dies ist für alle Beteiligten, Menschen wie Tiere, eine belastende Situation. Gibt es Möglichkeiten zur Abhilfe?




Die meisten Wildkatzen sind einsame Jäger. Sie beschützen ihr Territorium und alles was dazu gehört. Unsere Hauskatzen sind zwar eigentlich soziale Tiere, haben aber auch die territorialen Instinkte ihrer wilden Verwandten. Wir sprechen hier auch über das Futter, Spielzeug, Schlafplätze und sogar „ihre“ Menschen. Wenn eine dieser territorialen Instinkte angegriffen wird oder die Katze ist der Meinung, dass ein Angriff erfolgt, wird sie zum Gegenangriff starten.

Es ist relativ einfach die offensichtlichen Zeichen von Aggression zwischen den Katzen zu deuten, z. B. Fauchen oder Knurren. Wichtiger ist es aber auf die subtileren Merkmale zu achten, denn diese verraten viel mehr über das Verhältnis zwischen den Stubentigern. Fressen sie gemeinsam oder hält sich eine Katze zurück und erlaubt der anderen zuerst zu fressen? Wenn du mit deinen Katzen spielst, verlangt dann eine Katze mehr Aufmerksamkeit von dir oder spielen sie gemeinsam mit dir? Andere nicht so offensichtliche Zeichen sind reduzierter Appetit, Unsauberkeit oder das „sich zurückziehen“ in Gegenwart des Artgenossen. Auch Durchfall und Erbrechen kann bei den rangniedrigeren Katzen auftreten.




Als ersten Schritt zur Abhilfe solltest du den Katzen genug Raum geben, damit sie sich aus dem Weg gehen können:

  • Platziere mehrere Futterstellen und Katzenklos im Haus (ein Katzenklo mehr als vorhandene Katzen)
  • Spiele mit allen Katzen, damit sie sich austoben können. Wenn deine Katzen es bevorzugen mit dir allein zu spielen, dann richte getrennte Spielzeiten ein.
  • Stelle mehrere Kratzbäume und Schlafplätze zur Verfügung. Die Katze, die in der Hierarchie oben steht, bevorzugt auch die höheren Plätze. Du vermeidest Ärger, wenn mehrere hochgelegene Plätze vorhanden sind.
  • Belohne jede positive Interaktion zwischen den Katzen. Ob sie einfach ohne Fauchen aneinander vorbeigehen oder sogar freundlich miteinander spielen. Je mehr positive Erfahrungen sie bei einem friedlichen Aufeinandertreffen machen umso weniger werden sie sich gegenseitig angehen.

Trotz all dieser Bemühungen kann es sein, dass deine Katzen weiterhin erbitterte Feinde bleiben. Katzen haben, genau wie Menschen, ihre Vorlieben und Abneigungen was die Artgenossen angeht. Bevor du das Handtuch wirfst gibt es aber, abgesehen von einem professionellen „Katzenflüsterer“, noch etwas, das du ausprobieren solltest.




Erneute Zusammenführung

Wenn der erste Schritt nicht erfolgreich war, solltest du die Tiere erneut zusammenführen. Dazu separierst du sie in zwei nebeneinanderliegende mit einer Tür verbundene Räume. Jedes Tier bekommt natürlich seine Futter- und Wassernäpfe, ein Katzenklo, einen Kratzbaum und jeden Tag private Zeit mit dir. Nun fütterst du die Katzen gleichzeitig und stellst die Näpfe an die geschlossene Tür. Der Abstand zur Tür mag erst etwas größer sein, je nachdem wie stark die Abneigung der beiden ist, sollte dann aber nach und nach verringert werden. Dadurch gibst du jeder Katze ihren eigenen Raum (Territorium), gleichzeitig machen sie aber gemeinsam die positive Erfahrung des Fressens. Wenn die Fütterung direkt an der Tür gut klappt, öffne die Tür einen Spalt während des Fressens. Belohne beide Katzen, wenn sie Neugier aufeinander zeigen oder auch sich einfach ignorieren. Öffne die Tür nach und nach immer weiter bis sie sich beim Fressen ohne trennende Tür ganz entspannt gegenüber sitzen. Eventuell kann als Zwischenschritt eine kleine Trennwand (aus Pappe o. ä.) in den Türrahmen geklemmt werden. Als letzten Schritt solltest du versuchen mit beiden Tieren gleichzeitig zu spielen. Bleibe ruhig und gelassen während des Spiels und schenke beiden Tieren die gleiche Aufmerksamkeit.

Während der Zusammenführungsphase sollen die Katzen mit dem Geruch der anderen Katze vertraut werden. Dies erreichst du dadurch, dass die Räume alle paar Tage getauscht werden. Außerdem kannst du beide Katzen mit derselben Bürste pflegen ohne diese zwischendurch zu reinigen. So verteilst du den „Duft“ auf beiden Katzen. ( siehe auch http://www.katzenwiewir.de/haben-deine-katzen-einen-gruppenduft/)


Der ganze Prozess dauert zwischen ein paar Tagen und ein paar Wochen. Er kann sehr erfolgreich enden oder aber auch gar nichts bewirken. Du solltest also auf beide Möglichkeiten vorbereitet sein. Wenn die Zusammenführung nicht funktioniert, stehst du vor der schwierigen Entscheidung für eine deiner Lieblinge ein neues Zuhause zu finden. Bedenke dabei, dass dies auf lange Sicht die bessere Lösung ist. Niemand mag es, wenn ihm ein Mitbewohner, den man nicht mag, aufgezwungen wird. Auch Katzen muss man zugestehen, dass eine harmonische Beziehung nicht immer möglich ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.